Schreibwerkstätten

zu Sprache anstiften

 

Zu Sprache anstiften heisst, in der Fantasie eine alte Geschichte oder Mythos in die Gegenwart holen, vielleicht einen Schulbuchtext oder eine biblische Geschichte für sich selber weiterspinnen.

 

>Wie alles begann - Schreibwerkstatt mit Werner Wüthrich

 

Als Lernender und Lehrender

Nach Lesungen oder Veranstaltungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern kann man oft im Publikum die Bemerkung hören: „Menschenskind, da hätte ich auch einiges zu erzählen“.
Unlängst kam ich im Neuenburger Jura mit einem Bauern ins Gespräch. Nachdem er meinen Beruf erfahren hatte, sagte er: „Monsieur, mein Leben hier an der Grenze, das ergäbe bestimmt ein gewichtiges Buch. Mehrere Bücher sogar.“
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Vater, den Pachtbauer, als er mir vor Jahren, wie er sagte, zum Mut gratulierte, den steinigen Weg eines Schriftstellers zu versuchen. Beim Abschied gaben wir uns die Hand. Nach einer Pause sagte er: „Schau sie nur an, deine Hände und meine Hände. Man stelle sich einmal vor, wie viel die zu erzählen hätten.“
Und so geschah das Naheliegendste parallel zu meinem Schreiben. Ich wollte und konnte dieses Wort vom „Anstiften zu Sprache“ nicht nur auf mich beziehen.
Zu Sprache anstiften ist gleichzeitig, seit der ersten Veröffentlichung, ein Teil meines Berufes geworden. Zu Sprache anstiften wurde gleichbedeutend mit der Auffassung von meinem Leben als Schriftsteller. Ich wurde, wie Brecht gesagt hätte, Lernender und Lehrender und gab meine Schreiberfahrung weiter. Und wollte dabei Mitmenschen ihre Geschichten abverlangen. Sie auch zum Berichten und Erzählen anregen und zum Geschichten Erfinden ermutigen. Ich versuchte, die eigene Freude am Wechselspiel von Sprache und Wirklichkeit weiterzugeben. Auch zu vermitteln, wie unendlich wenig Worten zu sagen vermögen und dabei entdecken, wie reich doch jede Sprache ist.

Zu Sprache anstiften heisst, auf Entdeckungsreise gehen, Schritt für Schritt den eigenen Boden verlassen.

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